Ist ein Text ganz oder teilweise KI-generiert?
20.03.2026 – Welche Werkkategorien werden oft ganz oder fast ausschliesslich mit generativen KI-Systemen erzeugt, mit der Folge, dass sie urheberrechtlich nicht geschützt sind und keine Vergütung für die Werke fliessen sollten? Am anfälligsten für vollständige KI-Autorschaft sind funktionale, massenhaft produzierte, standardisierte Texte mit niedrigem Anspruch.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Texte weitgehend oder ausschliesslich von KI generiert wurden, ist in bestimmten Werkkategorien bzw. Textsorten deutlich höher als in anderen. Die Frage spielt eine immer grössere Rolle, weil rechtliche und finanzielle Entscheidungen, aber auch die Selektion durch Menschen und Maschinen immer stärker vom Grad der Automatisierung von Inhalten abhängen werden.
Entscheidend sind nach unserer Beurteilung das Ziel eines Textes, die wirtschaftlichen Anreize, die Produktionsprozesse und die Bedeutung von Verantwortung der Beteiligten:
- Eine hohe Wahrscheinlichkeit für KI-generierte Texte (d.h. oft automatisch erstellt ohne menschliche Kontrolle) haben Produktbeschreibungen, werbende Webseiten, Blogs ohne erkennbare Redaktion, automatische News-Zusammenfassungen, automatisch generierte Reiseempfehlungen, alle Arten von Spam- und Fake-Bewertungen sowie Content-Marketing-Artikel und Unternehmenskommunikation.
- Eine hohe, aber etwas niedrigere Wahrscheinlichkeit für KI-generierte Texte haben Ratgebertexte (How-Tod, Tutorials für den Alltag), automatisierte Sport- und Börsenberichte, FAQ-Texte und Chatbot-Inhalte.
- Eine niedrige Wahrscheinlichkeit kommt Texten zu, die verlässliche Informationen und kreative Gestaltung verlangen. Es sind literarische Werke (Romane, Lyrik, Erzählungen), investigativer Journalismus und Essays (Recherche, persönlicher Perspektive und Erfahrung, Einfluss von Reputation und Verantwortung der verfassenden Person), wissenschaftliche Publikationen (philologische Anforderungen, Peer-Review, Qualitätsstandards), Autobiografien, persönliche Reportagen, Erfahrungsberichte (subjektive Erlebnisse, kaum authentisch durch KI simulierbar).
Es existieren Mischformen und hybride Texte, für welche KI-Systeme Vorschläge machen oder Rohfassungen liefern, für die aber ein Mensch die Bearbeitung und Verantwortung übernimmt. Sofern der menschliche Anteil einer geistigen individuellen Schöpfung entspricht, gibt es einen urheberrechtlichen Schutz des Werks.
Nur wenn eine individuelle menschliche Äusserung vorliegt, entsteht (automatisch) ein urheberrechtlicher Schutz und die Chance, bei einer Verwertungsgesellschaft wie ProLitteris Vergütungen zu erhalten. Reine KI-Erzeugnisse sind nicht als Werke geschützt.