Verteilung Print – Stärkung der Lehrmittel und einheitliche Vergütungsdauer
28.04.2026 – Die Verteilung Print ist die traditionelle Reprografie-Verteilung. Mit diesem System verteilt ProLitteris Kopiervergütungen und ähnliche Erträge. Die Verteilungssumme der Verteilung Print sinkt zugunsten der Verteilung Online, weil das Vervielfältigen und das Publizieren von Texten und Bildern im Internet zunehmen.
ProLitteris setzt den eingeschlagenen Weg fort, die Vergütungsdauern der verschiedenen Werkkategorien zu vereinheitlichen und zu verkürzen. Ziel ist eine klarere und konsistentere Systematik, die eine spätere Totalrevision der Verteilung erleichtert und möglichst wenige Rechteinhaber:innen benachteiligt. Die Änderungen erfolgen wirtschaftlich möglichst neutral. Verkürzte Vergütungsdauern werden deshalb durch angepasste Gewichtungen ausgeglichen.
Für Bücher ist eine Vergütungsdauer von acht Jahren vorgesehen. Zeitschriften sollen vier Jahre berücksichtigt werden, während für Tages- und Wochenpresse weiterhin eine Vergütungsdauer von einem Jahr gilt.
Die unterschiedliche Dauer spiegelt die typische Nutzung dieser Werke und orientiert sich auch an den bisherigen Verhältnissen in der Verteilung Print. Bücher bleiben häufig über lange Zeit lieferbar, sind bibliografisch erfasst und oft über mehrere Jahre in Bibliotheken vorhanden. Zeitschriften sind im Vergleich dazu etwas kurzlebiger. Tages- und Wochenpresse ist stark aktualitätsbezogen und wird deshalb weiterhin mit der kürzesten Vergütungsdauer behandelt.
Das System von ProLitteris unterscheidet zwischen Vergütungsdauer und Gewichtung. Die Vergütungsdauer bildet in erster Linie die angenäherte Lebensdauer einer Werkkategorie ab. Die Gewichtung bleibt das Instrument, um innerhalb harmonisierter Laufzeiten Unterschiede zwischen Verteilungsklassen sachgerecht abzubilden. Dazu orientieren wir uns an den sozialwissenschaftlichen Studien, die ProLitteris im Rahmen der Tarifverfahren durchführt. Die tatsächliche Vergütung hängt zudem von den verfügbaren Ausschüttungssummen und den Punktwerten in den jeweiligen Bereichen ab.
Die Anpassungen erfolgen in Stufen. Wird die Vergütungsdauer verkürzt, so wird das Gewicht entsprechend angepasst. Auf diese Weise bleiben die relativen Verhältnisse zwischen den Werkkategorien weitgehend stabil. Fallen Werke aufgrund der verkürzten Dauer weg, so erhöht sich die Vergütungssumme für alle berechtigten Werke. Für die meisten Rechteinhaber:innen, besonders für die aktiven, wirkt sich die Anpassung von ProLitteris mehr oder weniger neutral aus.
Bei jeder Anpassung der Vergütungsdauer kommt es vor, dass einzelne Werke tiefere oder keine weiteren Vergütungen mehr erhalten. Dies ist eine Folge jeder Systemverbesserung. Der Vorstand befasst sich bei jeder Anpassung vertieft mit dieser Frage. Aus diesem Grund wird in Schritten vorgegangen. Ein paralleler Betrieb verschiedener Verteilungssysteme ist ausgeschlossen, weil er praktisch kaum umsetzbar wäre und andere Fehler der Verteilungsgerechtigkeit produzieren würde.
Es gibt eine materielle Änderung, die ProLitteris aufgrund der letzten Studie des Kopierverhaltens in Schulen vornimmt. Sie betrifft die Kategorie der Lehrmittel. Die Gewichtung wird erhöht und den wissenschaftlichen Werken angeglichen. Dies entspricht einem Grundsatzbeschluss von ProLitteris, Lehrmittel und Wissenschaft identisch zu behandeln.
Auch künftig stehen mehrere Instrumente zur Verfügung, um die Verteilung sachgerecht zu steuern: Vergütungsdauer, Gewichtung und die Verteilungssummen der einzelnen Bereiche. ProLitteris bemüht sich in der Beratung von weiteren Anpassungen des Verteilungsreglements auch, übermässige hohe individuelle Vergütungen zu vermeiden. Diese Frage war Gegenstand eines Antrags in der Generalversammlung 2024. Daraus resultierte zwar kein Beschluss, aber die kritische Beobachtung der individuellen Vergütungen gehört zur Sorgfalt von ProLitteris als Verwertungsgesellschaft.
Der Antrag ans Institut für Geistiges Eigentum zur Genehmigung wird im Mai 2026 gestellt. Die Revision des Verteilungsreglements enthält weitere Verbesserungen. Die Umsetzung der Änderungen folgt in der Hauptverteilung 2027 (Nutzungsjahr 2026). Ob eine spätere Revision zusätzliche Massnahmen erfordert, wird separat geprüft. Ein solcher Anlass könnte die künstliche Intelligenz sein. Künstliche Intelligenz wird heute für alle Werkkategorien eingesetzt, und ProLitteris setzt bestmöglich die urheberrechtlichen Bedingungen für den Schutz als Werk und für den Erhalt einer Vergütung durch. Die Geschäftsleitung und der Vorstand befassen sich laufend mit diesen Entwicklungen.